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Wolf
Haas - Komm süßer Tod (2000)
Jetzt
hab ich schon wieder ein Buch von Wolf Haas gelesen.
Du
mußt wissen: österreichischer Krimiautor, preisgekrönt,
Bestseller und alles. Da bist Du ja gern mal ein bißchen skeptisch,
von wegen hochgejubelt, aber ohne Substanz, Lieblingskind der Kritiker,
in Wirklichkeit leider stinkfad. Das hast Du ja manchmal schon im Leistungskurs
Deutsch am Gymnasium gehabt, wo Dir ein verzweifelter Mist wie Uwe Johnson
als Hochkultur angepriesen worden ist, dann aber unlesbar. Wo Dir einer
die Wörter vor die Füße kippt wie Sperrmüll und Du
aufpassen mußt, daß Du nicht gleich einschläfst beim
Lesen.
Beim Haas aber anders. Die Sprache klingt anfangs schon seltsam, wie wenn
einer mit Dir in der Kneipe sitzt und Dir irgendwas erzählt, ungeordnet,
Alltagssprache, unliterarisch. Dann merkst Du aber bald, daß der
Haas schon mehr drauf hat, als Du zuerst glaubst. Hauptfigur bei Haas:
Simon Brenner, früher Polizist und später dann Privatdetektiv,
nicht immer freiwillig. Einige Zeit sogar Rettungssanitäter, da bist
Du auch gleich mittendrin in "Komm, süßer Tod".
Eigentlich
habe ich ja zuerst die Verfilmung gesehen, weil der Josef Hader darin
den Brenner gespielt hat. Und manchmal gibt’s ja so Sachen, wo Du im Nachhinein
sagst: Idealbesetzung. Der Hader hat den Brenner einfach drauf gehabt,
wenn Du verstehst, was ich meine. Da hat vielleicht der Wolf Haas bei
der Besetzung schon ein Wort mitreden dürfen, wenn er schon zusammen
mit Hader und dem Regisseur Wolfgang Murnberger das Drehbuch geschrieben
hat.
Überhaupt Drehbuch: Da mußt Du als Buchautor ja oft sakrisch
aufpassen, daß sie Dir beim Verfilmen Deine Vorlage nicht total
auseinandernehmen, dramaturgische Bearbeitung und Happy End und alles.
Was Du da am Ende manchmal zu sehen bekommst, frage nicht. Oft genug,
wo einer schließlich sogar seinen Namen wieder streichen lassen
wollte, aber die Gegenseite gleich mit Anwälten und helfen tut es
ja meistens eh nichts mehr. Da mußt Du schon froh sein, wenn Du
sogar selber mitschreiben darfst und vielleicht noch was Gutes dabei rauskommt.
Hauptfigur in "Komm, süßer Tod" ist, wenn er es auch
gar nicht so sehr gewollt hat, wieder einmal der Brenner gewesen. Eigentlich
hat er sich ja mehr so durchs Leben treiben lassen wollen, den Eindruck
gemacht, als wäre es ihm am liebsten, wenn er einfach nur seine Ruhe
hat. Dann aber die Sache mit den beiden rivalisierenden Rettungsverbänden,
denen es nicht mehr gereicht hat, daß der eine vielleicht hin und
wieder ein paar Verkehrstote mehr von der Straße aufgeklaubt hat
als der andere. Manchmal ist der Mensch ja sowas von ehrgeizig, das willst
Du nicht glauben, wenn Du es nicht selber miterlebst. Bei der Sache mit
den Kreuzrettern und dem Rettungsbund ist dieser Ehrgeiz dann aber richtig
ins Kriminelle ausgeartet. Böse Sache, weil gleich Tote.
Für
den Brenner hat es damit angefangen, daß ihn sein Chef damit beauftragt
hat, herauszufinden, ob der Rettungsbund den Funk von den Kreuzrettern
abhört, weil es immer öfter vorgekommen ist, daß der Rettungsbund
ihnen die Klienten vor der Nase weggefischt hat. Der Chef natürlich
sauer und gleich den Brenner als Detektiv engagiert, weil früher
bei der Polizei. Verlernt man genauso wenig wie Radfahren oder Schwimmen,
womit der Chef natürlich Recht gehabt hat, auch wenn der Brenner
eigentlich seine Ruhe hat haben wollen. Dann aber ist Bewegung in die
Sache gekommen: Die Angelika, die auch bei den Kreuzrettern war, hat mit
dem zugereisten Piefke vor versammelter Mannschaft ein Blaskonzert veranstaltet,
daß es nur so eine Art gewesen ist.
Leider war der Piefke bald ziemlich tot, die Kripo gleich angerückt
und den Vater von der Angelika verhaftet. Die hat jetzt den Brenner gebeten,
ob er sich nicht ein bißchen umhören könnte, weil sie
fest daran geglaubt hat, daß ihr Vater den Piefke nicht umgebracht
hat. Das hat für den Brenner derartige Komplikationen bedeutet, wie
sich hinterher herausgestellt hat, aber da ist man ja immer schlauer und
der Brenner war schon auch einer, der hat die Dinge kommen sehen und sich
trotzdem hingestellt und einfach nicht ausgewichen. Das ist dann beinah
böse ausgegangen, weil der Brenner und der Berti (Simon Schwarz),
der den Brenner immer bei den Rettungsfahrten begleitet hat, ihr Detektivspielen
nicht haben sein lassen. Da kannst Du mir jetzt sagen, was Du willst,
aber arg viel Unvorsichtigkeit ist bei den beiden schon auch dabeigewesen.
Zwischendurch
hat der Brenner auch noch eine alte Schulfreundin (Barbara Rudnik) wiedergetroffen,
mit der er auf dem Gymnasium zusammengewesen ist. Im Roman kriegst Du
mehr davon mit, warum der Titel so heißt, daß das eigentlich
ein Fehler vom Brenner gewesen ist. Weil er hat sich nicht mehr genau
an ein klassisches Stück erinnern können, das ihm die Klara
damals auf Kassette aufgenommen hat und das eigentlich "Komm, süßes
Kreuz" geheißen hat. Da bist Du ja manchmal ganz ding, daß
Du jahrelang den gleichen Fehler machst und bemerkst es gar nicht.
Was soll ich Dir noch weiter von der Handlung erzählen: Vielleicht,
daß der Brenner herausgefunden hat, daß die Spenden für
die Kreuzretter überlebensnotwendig waren, gerade weil der Watzek-Beton
die Konkurrenz so unterstützt hat. Da haben sich die Kreuzretter
natürlich was einfallen lassen müssen, wo die Spender und damit
auch das Geld eben ein bißchen schneller herkommen, wenn Du bei
der Caritas-Rallye nicht ständig nur die Rücklichter von der
Konkurrenz sehen willst. Weil auf Dauer ohne Geld keine Kreuzretter, das
hätte auch der Brenner eingesehen. Aber gleich Mord, das ist ihm
dann doch zu weit gegangen. Du weißt ja: Brenner früher Polizist.
Aber aufgepaßt, eines hätte ich ja beinahe vergessen, Dir zu
erzählen. Bevor der Piefke selber die Füße ausgestreckt
hat, hat er noch auf ein hohes Tier aus der Verwaltung und dessen Geliebte
geschossen und dermaßen gut getroffen, daß gleich beide hin
waren. Der Brenner sofort Geistesblitz: Wie er tags darauf mit dem Berti
unterwegs gewesen ist, hat er so im Scherz gemeint, daß es nur der
Piefke gewesen sein kann, weil die Mörder immer die Deutschen. Das
ist eigentlich nur ein Witz vom Brenner gewesen und wer weiß, wie
sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn das die Leute von der
Kripo erfahren hätten. Doch weil der Brenner einmal was mit der Frau
von dem Kripobeamten gehabt hat, der in dem Fall ermittelt hat, war da
natürlich nichts mit Kommunikation und so. Kommt ja eher selten vor,
daß die besten Freundschaften entstehen, wenn Du ausgerechnet mit
der Frau eines Vorgesetzten schläfst. Eher kriegst Du einen Haufen
Ärger, weil auch Kripo manchmal sehr nachtragend. Frag ruhig den
Brenner, der muß es wissen, war ja lang genug dabei.
Vielleicht
wirst Du auch wissen wollen, welche Unterschiede zwischen Buch und Film.
Da hast Du ja oft den bittersten Streit zwischen den Bücherfreunden
und den Filmfans, was denn nun besser gewesen ist. Ich will Dir da gar
nicht ausweichen, aber ich glaube, daß bei "Komm, süßer
Tod" beides auf seine Art einfach gut geworden ist, auch wenn der
Film ein paar Sachen gestrafft und ein bißchen umgestellt hat. Das
hat manchmal auch seine Vorteile, weil Film nur 100 Minuten und da mußt
Du schon auf den Punkt kommen und darfst Dich nicht verzetteln mit Kleinigkeiten.
Außerdem Wolf Haas ja auch selbst mitgeschrieben, da kannst Du Dir
beruhigt die DVD kaufen und das Buch natürlich auch, weil Lesen immer
gut. Weitergegangen ist es nach "Komm, süßer Tod"
mit "Silentium", natürlich wieder von und mit Haas, Hader
und Murnberger, aber das erzähl ich Dir lieber ein andermal.
- Stefan - 02/06
KOMM, SÜSSER TOD
(Ö 2000)
nach dem Roman von Wolf Haas
(1998)
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Wolf Haas, Josef Hader, Wolfgang Murnberger
Darsteller: Josef Hader (Simon Brenner), Simon Schwarz (Berti), Nina Proll
(Angelika), Barbara Rudnik (Klara), Bernd Michael Lade ("Piefke"),
Michael Schönborn (Chef), Karl Markovics (Jäger) u.v.a.
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