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Interview mit Monika Edvardsen Einleitung (Mai 2003): Das nachfolgende Interview mit Atrox einschließlich der beiden vorangehenden Absätze stammt bereits aus dem September/Oktober 2000. Es war damals online auf der Giants Lore-Website (R.I.P.) nachzulesen. In gedruckter Form erschien er in Ausgabe Nr. 5 des Polarlicht, von der noch einige Exemplare bei Claudia Striewe erhältlich sein dürften. Auszüge aus dem Interview waren auch auf der eben genannten Website zu finden. (Ob sie es jetzt noch sind, weiß ich nicht.) Einige Interviewfragen hatte damals Beate (vom Giants Lore) beigesteuert, was auch ohne weiteres an den Namen zu erkennen ist. Bedauerlicherweise ist es mir bislang nicht wieder gelungen, ein weiteres Interview mit Monika zu führen, dabei hätte ich eine ganze Reihe Fragen gehabt. Nun ja, es klappt eben nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. So, nun geht΄s aber los: Die norwegische Band Atrox hat mit ihrem Album "Contentum" mit Sicherheit eines der ungewöhnlichsten und originellsten Alben, die jemals im Metalbereich erschienen sind, veröffentlicht. Entscheidenden Anteil hieran hatte gewiß die Sängerin Monika Edvardsen, die sich im nachfolgenden Interview als eine äußerst sympathische und liebenswürdige Person herausstellte, die viel zu erzählen hat und im Hinblick auf ihre Offenheit und Ehrlichkeit einer Tori Amos in nichts nachstehen dürfte. Bevor es gleich losgeht, sei nur noch folgendes angemerkt: Falls sich jemand beim Lesen des Interviews fragen sollte, wieso bei einigen interessanten Punkten nicht weiter nachgehakt worden ist, so liegt dies schlicht und ergreifend daran, daß das Interview schriftlich geführt worden ist und man bei der Erstellung des "Fragebogens" nicht vorhersehen kann, was die/der Befragte denn nun antworten wird. (Dieses Interview muß aber ja nicht das letzte gewesen sein.) Burkhard: Wie hat deine musikalische Karriere angefangen? War deine Entscheidung, Sängerin/Musikerin zu werden, auf irgendeine Weise durch deine Erziehung beeinfllußt? Sind deine Eltern (von Beruf) Musiker? Oder hat deine Schwester Ann-Mari dich irgendwie beeinflußt?
Burkhard: Haben deine Eltern/Freunde/Verwandten deinen Entschluß, Sängerin einer Heavy Metal-Band zu werden, unterstützt? Oder haben sie gesagt: "Mädchen, warum lernst du nicht einen ordentlichen Beruf?" Monika: Meine Eltern leben 1000 km entfernt, und ich denke nicht, daß sie wissen, daß ich bei der Band eingestiegen bin. Sie haben keine der Veröffentlichungen von Atrox gehört, aber ich habe ihnen ein Demo von einigen Songs, aus denen dann "Contentum" wurde, vorgespielt, und sie haben mich überrascht, indem sie über "Unsummoned" sagten: "Das ist wirklich schön und melodiös!" Natürlich gefiel ihnen nicht der hardcoremäßige Gesang, der hier und dort auf diesem Demo erscheint, aber sie waren demgegenüber, daß ich bei Atrox singe, nicht negativ eingestellt. Obwohl sie es SEHR viel lieber sähen, wenn ich härter an meiner Ausbildung arbeiten würde als mit der Band...Andere Leute finden es in der Regel cool! Burkhard: Mit welcher Art von Musik bist du aufgewachsen? Monika: Mit der christlichen Musik, die mein Vater mochte und selbst gespielt hat, "teenage Christian music", Klassik und dann alles, was wir uns im Geheimen anhören konnten: Popmusik im Radio. Ich habe angefangen, mir selbst Platten zu kaufen, als ich mich für "Soft Metal"-Bands zu interessieren begann, wie Europe (haha!), Poison (doppeltes haha!), und ich liebe wirklich Yngwie Malmsteen, Dokken und Tesla! Aber es war sehr schwierig, die "Metal Welt" zu erforschen, denn als mein Vater meine Platten fand, verbrannte er sie, es führte also hauptsächlich zu einer Verschwendung von Geld. Burkhard: Hast du in irgendwelchen anderen Bands gesungen, bevor du bei Atrox eingestiegen bist, oder waren Atrox deine erste "richtige" Band? Monika: Ja, Atrox waren meine erste richtige Band. Wie ich bereits erwähnte, habe ich als Gastsängerin bei einem Konzert von The 3rd And The Mortal mitgewirkt und ich habe auch auf "Eat The Distance" auf ihrem dritten Album gesungen. Ich habe auch bei zwei Proben mit einer namenlosen Band gesungen, aber sie meinten, ich wäre zu schüchtern, um auf die Bühne zu steigen, und ich paßte nicht zu ihnen, es hatte also keinen Bestand. Ich habe diese Typen später nie wieder gesehen, und ich schätze, die Band hatte auch keinen Bestand. Jedenfalls war ich aber glücklich, daß ich bei dieser Band nicht eingestiegen bin, und die Jungs von Atrox zu treffen war in gewisser Weise, als ob man nach Hause kommt... Burkhard: Auf dem ersten Atrox-Album "Mesmerised" gab es auch einen Sänger. Ich habe mir das Album nicht gekauft, da ich einfach diese "Beauty and The Beast"-Konstellationen nicht mag. Die männlichen "Biester" auf diesen Alben kreischen und grunzen normalerweise nur. Abgesehen von der Tatsache, daß ich generell kein großer Fan von extremem (männlichen) Gekreische und Gegrunze bin, finde ich, das es nicht zur Musik auf diesen Alben paßt. Ich meine, sich ein Album wie "Tears Laid In Earth" oder "Painting On Glass" mit männlichem Gekreische und Gegrunze vorzustellen, ist ein schrecklicher Gedanke! Da ich das erste Atrox-Album bislang nicht gehört habe, hätte ich gerne gewußt, was deine Funktion auf diesem Album war? Warst du in irgendeiner Weise am Songwriting-Prozeß beteiligt? Oder war deine Rolle darauf beschränkt, etwas gesangliche und optische "Verzierung" hinzuzufügen? Monika:
Keineswegs! Haha! Alle Songs (außer dem Gesang natürlich)
auf "Mesmerised" waren geschrieben, bevor ich bei der Band
eingestiegen bin. Die Jungs wollten einfach einen Sänger; der frühere
Atrox-Sänger Gersa konnte nicht singen, nur knurren, also stieg
ich ein... Natürlich fühlte ich mich, als ob ich nur ein Teil
dieser Welle mit dem "Beauty & Beast"-Effekt wäre,
aber ich wollte es mal versuchen, denn ich glaubte wirklich, ich könnte
auch etwas Besonderes hinzufügen. Burkhard: Was ist nach der Veröffentlichung von "Mesmerised" passiert? Monika:
Nicht viel...Wir waren beim berüchtigten Label Head Not Found unter
der ebenso berüchtigten Muttergesellschaft Voices of Wonder, und
sie unternehmen nicht viel, um ihre Veröffentlichungen zu promoten.
Als wir sie kritisierten, sagten sie, daß wir uns auch selbst
promoten müßten, aber wie? Sie haben noch nicht mal Flyer
gedruckt oder Promo-CDs gepreßt. Also dachte ich daran, das Album
auf Kassetten zu überspielen und zu verteilen, aber ich konnte
es mir einfach nicht leisten! Also war das einzige, was ich machen konnte,
Briefe an Magazine zu schreiben und sie zu bitten, mir Leerkassetten
für eine Aufnahme unseres Albums zuzuschicken that was fucking
embarrassing!
Monika:
Oh, das ist verdammt schwer! Mir kommt es manchmal so vor, als ob ich
auf eine Art keine Stimme habe! Ja, es klingt lächerlich, aber
ich kann einfach meine eigene Stimme nicht fassen; ich kann einfach
keinen wirklichen Eindruck von ihr bekommen! Es ist dasselbe, wie ich
mich im Hinblick auf meine äußere Erscheinung fühle;
manchmal bin ich wirklich überrascht, daß Leute in der Lage
sind, mich zu erkennen, denn ich fühle mich, als ob meine äußere
Erscheinung keinen bestimmten Charakter hat! Beate: Es gab einige Kritiker, die deine Stimme mit Kate Bush verglichen haben (wie "Kate Bush on drugs"). Ein charmanter Vergleich. Hast du irgendein Lieblingsalbum von Kate Bush? Und welchen von Kates Songs würdest du gerne covern? Monika: Ich finde nicht, daß Kate Bush gecovert werden sollte...Zumindest nicht von jemandem, der mit ihr verglichen wird! Ich habe eine wirklich glattpolierte Power Metal-Band mit "Squeezed-Balls"-Gesang gehört, die "Wuthering Heigths" gecovert hat, und es klang einfach lächerlich und peinlich. Vielleicht sollte es lächerlich klingen, ich weiß es nicht es brachte mich zum Lachen während des ganzen Songs. Ich habe auch eine norwegische Band namens Velvet Belly mit einer laaaaaaangweiligen und kraftlosen Version von "The Man With The Child In His Eyes" gehört. Ich denke, Kate Bushs Persönlichkeit ist so wichtig in ihren Songs, daß es falsch ist, sie zu covern! Aber nun, OK, vielleicht würde ich mich für "Sat In Your Lap" entscheiden, um es mit cooleren Synthesizer-Sounds zu hören! Und natürlich weil es ein faszinierender und cooler Song ist. Mein Lieblingsalbum ist "Hounds Of Love", insbesondere der "Ninth Wave"-Teil. Burkhard: Du hast eine sehr kräftige Stimme und mein Eindruck ist, daß du sie wirklich zu handhaben verstehst. Selbst in den Passagen, wo du etwas "verrückt" klingst, singst du nie falsch, soweit ich das beurteilen kann. Hattest/hast du professionellen Gesangsunterricht oder hast du dir alles selbst beigebracht? Monika: Danke für die Komplimente. Ich habe ein paar Gesangsstunden gehabt, aber ich habe nicht viel gelernt; ich fühle mich wirklich sehr unwohl mit Privatunterricht, so daß ich mich in dieser Situation nicht konzentrieren oder irgendwas vorführen kann. Also unterrichte ich mich selbst, indem ich experimentiere und zuhöre und mitsinge bei den Aufnahmen verschiedener großartiger Sängerinnen. Die Techniken vieler arabischer, indischer und osteuropäischer Sängerinnen sind sehr interessant und auch gut für die Stimme. Ich höre mir gute Sängerinnen an, um gute Gesangstechniken aufzuschnappen, und ich höre mir auch an, was schlechte Sängerinnen machen, um herauszufinden, was ich nicht tun sollte. Ich analysiere also und mache Notizen und experimentiere und stelle Hypothesen auf über die verschiedenen Techniken, indem ich sie miteinander und mit schlechten Techniken vergleiche. Ich versuche und es mißlingt, und ich versuche es erneut und stelle neue Hypothesen auf, und meine Überlegungen werden bestätigt, wenn es mir gelingt, das zu machen, was ich will. Und dann versuche ich, daraus mein eigenes Ding zu machen; ich habe nicht wirklich die Techniken gelernt, ich verwende nur meine eigenen Interpretationen davon. Burkhard: Dein Gesang auf "Contentum" klingt sehr originell (andere mögen sagen "verrückt"), möglicherweise zu originell für viele Leute. Hat deine Plattenfirma jemals versucht, sich einzumischen und dich in eine "kommerziellere" Richtung zu drängen? Wie ist es mit den anderen Bandmitgliedern? Haben sie dir jemals gesagt: "Hey, Monika, übertreib es nicht!" oder kannst du dich auf ihre volle Unterstützung verlassen, was immer du tust? Monika: Ich kann mich auf sie verlassen! Und wenn ich etwas machen würde, was ihnen nicht gefällt, würde ich es überdenken und etwas anderes machen. Die Sache ist die, daß die anderen Jungs die verrückten Dinge wirklich mögen, es ist also immer cool gewesen! Oder, nun, es ist vorgekommen, daß jemand gesagt hat: "Das ist so krank, vielleicht zu krank", aber das Line-up hat sich danach geändert, und die augenblicklichen Mitglieder denken oft, daß die verrücktesten Dinge die coolsten sind! Was die Plattenfirma angeht, nun, das ist eine andere Geschichte...Nun, niemand kann mich zwingen, mich zu ändern, aber der SoM-Boss hat mir mehrmals gesagt, daß wir groß würden, wenn ich nur anfangen würde, "normal" zu singen, und daß es mein Fehler ist, wenn sich das Album nicht verkauft. Für einige Zeit fürchtete ich wirklich, es würde ihm gelingen, die anderen Bandmitglieder gegen mich aufzuwiegeln, aber wir haben über diese Dinge gesprochen und sie wollen auch nicht, daß ich mich ändere. Wir machen nicht Musik, um kommerziellen Erfolg zu haben; es sind die Gefühle in der Musik, die zählen. Ich habe einfach kein Interesse daran, "normal" zu singen! Wenn ich das bei Atrox tun müßte, würde ich es nicht ertragen. Allein der Gedanke daran weckt in mir den Wunsch, mir die Lungen aus dem Leib zu schreien, hahaha! Burkhard: Auch wenn die Musik auf "Contentum" nicht so originell/"verrückt" wie dein Gesang klingen mag, denke ich auch nicht, daß sie leicht zugänglich ist. Als ich mir das Album die ersten Male angehört habe, fand ich es schwierig, mich für die gesamte Spielzeit von 65 Minuten auf die Musik zu konzentrieren, vor allem, wenn ich es über Kopfhörer gehört habe, - es scheint, das Wort "Refrain" existiert für dich nicht. Aber nun, da ich es ungefähr zwanzigmal gehört habe, ist mein Eindruck, daß mir das Album umso besser gefällt, je häufiger ich es höre. Wie sind die Reaktionen von Presse und Fans bislang ausgefallen? Monika:
Es hat viele sehr, sehr positive Reaktionen gegeben, und einige sehr
schlechte wie wir erwartet haben! Wir hätten wahrscheinlich mehr
Zuhörer mit einem stärkeren "Easy-listening"-Stil,
aber ich denke, die Leute, die es mögen, wie es ist, mögen
es vor allem, weil es so eigentümlich ist, und ich denke,
es ist besser, daß ein paar Leute es wirklich lieben, als wenn
viele Leute es nur mögen. Ich denke, es kann einige Zeit dauern,
bevor die Leute sich an die sonderbarsten Seiten gewöhnen, wie
du es gerade sagst, aber die Zeit, die du damit verbringst, lohnt sich,
hehehe! Burkhard: Die Musik auf "Contentum" ist definitiv Metal, obwohl sie Lichtjahre entfernt ist von dem, was bestimmte Leute "True Metal" nennen. Wolltest du immer in einer Metalband singen? Oder könntest du dir auch vorstellen, etwas völlig anderes zu machen? Monika:
Ich habe wirklich nie davon geträumt! Ich wollte Gitarre in einer
Band spielen und ich wollte Musik machen, aber ich wollte nicht singen,
bevor ich entdeckt habe, daß Sounds, die ich früher nur aus
Spaß gemacht habe und um zu ärgern, tatsächlich cool
UND schön waren! Beate: Was bedeutet der Albumtitel "Contentum"? Und was bedeutet dieser Ausdruck für dich persönlich? Monika: "Contentum" ist ein lateinisches Wort und bedeutet soviel wie eine Sammlung verschiedener Dinge, Teile und Stücke. Es verweist auf den verschiedenartigen Charakter unserer Musik und darauf, daß sie einen durchlaufenden roten Faden hat, der alles zusammenhält. Burkhard: Da du die Sängerin und das einzige weibliche Bandmitglied von Atrox bist, wird sich das Interesse der (Musik-) Presse und Fans wahrscheinlich auf dich konzentrieren. Wie gehen die anderen (männlichen) Bandmitglieder damit um? Spürst du irgendeine Art von Neid? Monika: Neid...? Nein. Die Rezensionen konzentrieren sich oft sehr stark auf mich, weil ich die ungewöhnlichsten Dinge mache, was bedeutet, daß ich das meiste vom Lob abbekomme, aber ich bekomme auch das meiste von der Scheiße ab, so daß ich nicht in einer Position bin, die irgendjemand beneiden sollte! Und falls du meinst, daß die meisten Interviews von mir beantwortet werden, so liegt das einfach daran, daß ich die schriftlichen Interviews besser beantworte als die anderen. Rune und Eivind (die Gitarristen) machen die Telefoninterviews. Die Fragen sind immer in einer Weise geschrieben, die nicht direkt an mich gerichtet ist, wie "Ist eure Sängerin bla bla". Ich denke, die meisten Magazine erwarten nicht, daß ich ein Mädchen (!) die Fragen beantworte. Ich meine, die meisten der wenigen Mädchen in Metalbands sind nur dazu da, der Musik einen Touch Erotik und "Schönheit" zu verleihen. Sie scheinen von keinerlei Bedeutung zu sein, wenn es darum geht, die Musik zu schreiben, oder überhaupt irgendeine Bedeutung zu haben. Da dies so üblich ist, ist es nicht wirklich so verwunderlich, wenn die Leute von mir erwarten, daß ich ebenfalls so bin...Ich mag es nicht, aber gut, ich lasse es für mich kein großes Problem sein, ich ziehe also einfach weiterhin mein Ding durch, und wenn Leute es nicht verstehen, dann ist es ihr Problem...
Monika: Ich muß es ausblenden, andernfalls könnte ich nicht fortfahren, das zu tun, was ich tun will, und das wäre weitaus schlimmer! Bislang habe ich vier negative Rezensionen (und viele sehr positive) gesehen, und es hat den Anschein, daß diejenigen, die diese Rezensionen geschrieben haben, sehr durch meine Art zu singen provoziert wurden, und daß sie deshalb berechtigt sind, mich zu beschimpfen und ähnliches. Nun, eine Sache, die mir schon seit langem mißfallen hat, sind Musik-"Journalisten", die Magazine benutzen, um sich selbst als "Stars" erscheinen zu lassen, indem sie Bands/Künstler niedermachen und somit versuchen, sich über sie zu erheben. Ich muß daher sagen, daß ich mich mehr über eine Rezension aufgereget habe, in der wir 4 von 6 Punkten bekamen und der Typ, der das Album besprach, versuchte, uns dumme Ratschläge zu erteilen, was wir an unserer Musik ändern sollten, um sie besser an seinen Geschmack anzupassen. Mir ist es tatsächlich lieber, wenn (scheinbar) dumme Leute unsere Musik hassen, hahaha! Mit der ersten schlechten Rezension bin ich sehr schlecht fertiggeworden, da mich der Typ als "Cunt" und "Bitch" bezeichnet hat, aber später habe ich über die Kritiker gelacht. Außer wenn ich niedergeschlagen bin. Ich denke auch, daß es mich unterbewußt trifft. Manchmal, wenn ich wirklich singen will, stoppt mich etwas und ich werde ängstlich und fühle mich schuldig, meine Stimme zu benutzen. Somit habe ich in letzter Zeit wenig geübt, aber nun, da ich mir bewußter bin, mache ich mehr, um mich selbst zum Singen zu ermuntern, trotz derjenigen, die meinen Gesang hassen. Ich muß manchmal einfach nur mein Singen in ein "Fuck you" an all die, die es nicht mögen, verwandeln... Aber das ist auch nicht gut, denn dann werden sie mich beeinflussen, und ich ende schließlich mit einer Art "Meta-Gesang", d.h.: Gesang über Gesang. Ich muß also mein Bestes versuchen, um es alles auszublenden. Burkhard: Einige der Texte (vor allem "Lizard Dance" und "Letters To Earth") machen ebenso wie das Albumcover, welches du selbst gemalt hast (und welches mir sehr gefällt!), einen etwas surrealistischen Eindruck auf mich. Ist dahinter eine tiefere Bedeutung versteckt, die zu erfassen mir bislang nicht gelungen ist? Monika:
Meine Texte und Bilder können immer in zwei Gruppen eingeteilt
werden; in einer davon versuche ich die Welt so zu beschreiben, wie
ich sie begreife, und die andere ist hauptsächlich eskapistisch...
"Lizard Dance" fällt in beide Kategorien ich versuche
eine Szenerie darzustellen, die ich sehr gerne vor meinen Augen sehen
würde (tanzende Eidechsen, die ihre Haut und ihren Schwanz abwerfen,
sprechen und singen etc. ich war äußerst erstaunt, als
mir diese Vorstellung kam) und gleichzeitig beschreibt es einige Charaktere,
die ich wirklich nicht mag, gierig, arrogant und hinterhältig.
Es vermittelt auch diese gemischten Gefühle, die ich so interessant
finde; ich liebe diese Eidechsen wegen ihrer äußeren Erscheinung,
aber ich mag ihre Arroganz nicht. Du kannst es damit vergleichen, daß
du Leute attraktiv findest, aber am Ende stellst du fest, daß
du nur von ihrer äußeren Erscheinung geblendet worden bist. Burkhard: Gibt es irgendwelche Verbindungen zwischen dem Albumcover und den Texten? In "Lizard Dance" läßt du eine Eidechse sagen: "And now give me my swim mask I want to explore this kettle!" und auf dem Albumcover ist unter anderem eine Eidechse (wenn auch nicht mit einer Tauchermaske, sondern mit einer Art Narrenkappe), die gerade dem Kessel darunter entkommen zu sein scheint. In "What Crawls Underneath" gibt es eine Zeile "The acrobat performs in his invisible-suit" und auf dem Albumcover befindet sich auch ein Akrobat (aber er ist sichtbar). Sind diese beiden Verbindungen reiner Zufall? Monika:
Nein, sie waren beabsichtigt. Ich hatte zunächst ein abstrakteres
Cover (es zeigte einige dreidimensionale Formen, aber du hättest
nicht erkannt, was es darstellt) für das Album gemacht, aber es
wurde vom Label zurückgewiesen, weil "sich abstrakte Cover
nicht verkaufen". Auf diesem Cover verwendete ich ein Thema, auf
das ich immer wieder zurückkomme; der Ausdruck von etwas, das tot
ist, jedoch lebendig, oder lebendig, jedoch tot. Ich hatte andere Gemälde
mit diesem Thema, die ebenfalls auf dem Cover erscheinen sollten, aber
unser Label hat es verbockt! Beate: Das schöne Cover, das du gezeichnet hast, hat mich dazu veranlaßt, eine Promo-Copy eures Albums auf einer Plattenbörse zu kaufen. Das war der Wag, wie ich Atrox entdeckt habe! Ich liebe einfach den Stil deiner Zeichnung. Zeichnest oder malst du oft? Oder hast du schon irgendwelche anderen Cover entworfen? Monika:
Nun, ich habe die Cover für alle drei unserer Veröffentlichungen
entworfen, und ich werde das auch weiterhin tun. Ich habe auch das Cover
für das Album einer anderen Band entworfen, aber das Label hat
es mit einem extrem schlechten Scanning ruiniert, so daß ich nicht
sagen möchte, welches es ist ich möchte nicht die Schuld
für ihre schlechte Arbeit zugewiesen bekommen! Ich habe auch ein
Ornament für The 3rd And The Mortals "Nightswan"
und ein Foto für "In This Room" gemacht. Beate: Wie würdest du die allgemeine Bedeutung des Covers erklären. Ich entdecke Feen, Marienkäfer, Spielzeuge, ein Seepferdchen, eine Pferde-Schnecke, eine Puppe. Ist es nur eine Phantasie, der Traum eines kleinen Mädchens? Oder Vision? Monika: Ja, das Cover basiert auf Visionen; meinen Texten und Dingen, die ich faszinierend und ausdrucksvoll finde. Menschen- und Tiergesichter und -körper sind sehr ausdrucksvoll; das Seepferdchen sieht schüchtern, traurig und schön aus, das Schnecken-Pferd ist sowohl feurig als auch dumm, die Eidechse schaut anklagend und als ob sie sich nicht recht wohlfühlt mit dem Hut, den ich ihr aufgesetzt habe. Die Eule ist neugierig und wachsam, die Puppe wirkt fremd und unheimlich und der Akrobat ist arrogant. Die restlichen Figuren wirken, als ob sie tot sind, in tiefen Gedanken oder schlafend. Das ganze Bild soll gemischte Gefühle vermitteln und dazu dienen, sich selbst damit zu identifizieren. Es soll auch dazu dienen, der gewöhnlichen Welt zu entfliehen, und etwas Inspiration vermitteln, wenn du schließlich zur Welt zurückkehrst. Beate: Welche Bedeutung hat die dünne männliche Figur in der Mitte des Covers? Monika: Er ist das wichtigste Tot-und-lebendig-Element auf dem Bild. Er sitzt gewissermaßen auf einem Thron und er ist wie die Sonne (sein Haar ist ein bißchen wie kalte Sonnestrahlen), aber er ist sehr passiv. Er ist wie ein König, der widerwillig regiert; die Macht bedeutet ihm nichts. Er sitzt einfach da, denkend und, ohne es zu wissen, posierend! Er hält gewissermaßen daß ganze Bild zusammen, ohne wirklich mit den anderen Elementen verbunden zu sein. Die Oktopusarme, die seine Leiter bilden...Arme und Hände können die Fähigkeit symbolisieren, Dinge zu erledigen, er hat also die Möglichkeit, Dinge zu tun, wenn er es möchte. Hmmm, es ist schwer, diese Dinge in Worte zu fassen, aber für mich ist dieses Bild der perfekte Ausdruck für all meine Akte der Kreativität. Burkhard: Der Anfang von "Lizard Dance" vermittelt eine Art von Rummelplatzatmosphäre, so wie sie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein mag. Handelt es sich um ein Sample von einem alten Film? (Es erinnert mich auch ein (ganz) kleines bißchen an "Coffee Homeground" von Kate Bush.) Monika: Bei den Streichern handelt es sich um ein Sample (wir wissen nicht, woher es stammt), und Rune hat die Orgel, Drums und Stimme hinzugefügt sie IST hochgestimmt, hehehe! Wir hatten den Song bereits fertig und dann kam Rune mit diesem Intro/Outro an, und es bringt die Stimmung des Textes wirklich noch besser zur Geltung ich liebe es! Und ja, es hat etwas von derselben Atmosphäre wie "Coffee Homeground"! Ich mag diese Art von Stimmung wirklich sehr, aber leider ist es ein Trend im Gothic/Black Metal geworden, horrorfilmartige Themen zu verwenden, so daß wir damit in Zukunft vorsichtig sein werden und sichergehen, daß wir es auf unsere eigene besondere Art machen. Burkhard: Vor einiger Zeit las ich von einem Project namens Tactile Gemma, an dem du und deine Schwester Ann-Mari beteiligt sind. Was kannst du mir zu diesem Project sagen? Wessen Idee war es? Welche Art von Musik können wir erwarten? Und was bedeutet "Tactile Gemma"?
Burkhard: Wenn du live spielst, versuchst du dann, dich so nah wie möglich an die Studioversionen eurer Songs zu halten oder improvisierst du viel? Ich meine, besonders was deinen Gesang angeht, könnte ich mir vorstellen, daß du deinen Gefühlen einfach freien Lauf läßt und dich nicht sklavisch an die Gesangslinien auf dem Album hältst, oder? Monika:
Hmmm, nicht sklavisch, nein, aber ich improvisiere live nicht viel,
da ich oft Synthesizer spiele, während ich singe, und mich auf
vieles konzentrieren muß; die wechselnden Gesangstechniken, die
Texte, das Synthesizerspielen, die Synthesizersounds wechseln, zusammen
mit den anderen Instrumenten spielen, mit dem Lampenfieber fertigwerden
und irgendwie Kontakt mit dem Publikum zu haben. Auch habe ich bereits
mit meinen Gesangslinien soviel experimentiert, es immer und immer wieder
getan, bis ich die endgültigen Melodien finde; Melodien, die perfekt
passen, wie ich finde, so daß ich nicht unbedingt das Bedürfnis
habe, etwas zu ändern. Es erfordert auch sehr viel Arbeit, diese
oft sehr schwierigen Gesangslinien zu proben, so daß es für
mich unmöglich wäre, mit neuen Gesangslinien, die gut genug
sind, auf der Bühne anzukommen, während ich nervös und
gestreßt bin. Beate: Ich habe festgestellt, daß du neben dem Gesang auch Keyboards spielst (habe ein Foto auf eurer Website gesehen). Machst du die ganze Keyboard-Arbeit für Atrox, oder nur einen Teil davon? Monika: Ich mache alles, bei Proben, im Studio und auf der Bühne, so daß es eine Menge gibt, worauf ich mich konzentrieren muß. Ich muß Gesangslinien ausarbeiten, passend zu den Synthesizerlinien und umgekehrt, und das kann mich auch auf Ideen bringen, auf die ich nicht kommen würde, wenn ich nur eines von beiden machen würde. Ich versuche zu vermeiden, bei 50% der Songs Synthesizer zu spielen, erstens, weil ich nicht einen Synthesizer das ganze Album hindurch hören will, und zweitens, um mich 100%ig auf meinen Gesang konzentrieren zu können. Es ist auch für die Live-Situation besser, wenn ich nicht die ganze Zeit, während ich singe, auf den Synthesizer runterschauen muß. Burkhard: Mein Eindruck ist, daß du eine Frau mit einer sehr starken Persönlichkeit bist, in dem Sinn, daß du diejenige bist, die entscheidet, wie deine Musik und dein Gesang klingen, und nicht die Plattenfirma, ein Manager oder jemand anderes. Gibt es irgendwelche Vorbilder, die dich beeinflußt haben? Monika: Hmmm, bis zu einem gewissen Grad ja. Aber das Wichtigste für mich ist, daß ich alles, was die anderen Jungs der Band und ich machen, als richtig empfinde, als perfekt auf meinen eigenen Geschmack zugeschnitten. Als die Plattenfirma von mir verlangte, "normal" zu singen, habe ich nein gesagt, aber eines der Ex-Mitglieder bat mich, es wenigstens zu versuchen. Also tat ich es; bei einer Probe vereinfachte ich die Melodien und wiederholte sie, anstatt neue Melodien zu entwickeln. Es hörte sich an wie Anneke von The Gathering oder sowas, und ich konnte es nicht ertragen; es war so langweilig und ich bekam überhaupt kein Gefühl für die Musik und den Text. Ich fühlte mich wie eine Gefangene und es machte mich äußerst agressiv und destruktiv, beinahe gewalttätig ich wollte mir die Lungen aus dem Leib schreien. Das Letzte, was ich tun wollte, ist, die Band zu verlassen, aber es ist mir unmöglich, mich mit dieser Art zu singen abzufinden, ohne Gefühle, ich muß also mir selbst treu bleiben. Es kann manchmal verdammt beängstigend sein, aber es ist ermutigend, andere Sängerinnen/Musikerinnen zu hören, die ihren eigenen Weg scheinbar ohne jeden Zweifel gehen. Da ich Dawn Crosby (RIP) auf "Within The Veil" gehört habe und gesehen habe, wieviel es mir bedeutet, daß sie ihre Gefühle so ehrlich und aufrichtig ausbreitet, verschwinden meine Ängste, mein eigenes, sehr emotionales "Ding" durchzuziehen. Burkhard: Woher bekommst du die Inspiration, wenn du singst, Texte und Musik schreibst oder malst? Nimmst du Drogen? Oder ist Musik deine (einzige) Droge? Monika:
Jawoll, Musik ist und wird immer meine einzige Droge sein. OK, ich trinke
auf Parties, aber das ist alles. Ich würde nicht berauscht werden
wollen, wenn ich mit kreativen Dingen beschäftigt bin es würde
mir nicht richtig erscheinen. Ich bin auch nie "stoned" gewesen
warum sollte ich? Ich rauche keine normalen Zigaretten, habe es auch
nie probiert, als ich ein Kind war ich dachte: "Warum sollte
ich?" Burkhard: Frauen wie Kate Bush, Tori Amos, Kari Bremnes und Mari Boine, um nur einige zu nennen, haben bewiesen, daß eine Frau (kommerziellen) Erfolg haben kann, indem sie einfach sie selbst ist und nicht, was andere (der Manager oder die Plattenfirma) von ihr erwarten mögen. Während der letzten Jahre scheint die Zahl der sogenannten weiblichen Singer/Songwriter drastisch gestiegen zu sein. Gleichwohl scheint es, daß Heavy Metal immer noch so männerdominiert ist, wie es vor 10 oder 20 Jahren der Fall war. Ich meine, es hat einige "female-fronted" Bands gegeben, aber die meisten davon haben es nicht weit gebracht. Wenn du einen Blick auf die Kategorie Speed/Thrash Metal wirfst, sieht es noch schlimmer aus: Es gab Nicole Lee (Znowhite), Sabina Classen (Temple Of The Absurd, Ex- Holy Moses) und definitiv die charismatischste/faszinierendste Metalsängerin Dawn Crosby (Fear Of God, Ex-Détente), die sich beklagenswerterweise zu Tode gesoffen hat. Und wenn du nach sogenannten "all-girl" Metalbands suchst, kannst du sie an einer Hand abzählen: Girlschool, Rock Goddess, Vixen (alle drei eher Hard Rock als Metal), Meanstreak und Phantom Blue. (Übrigens, soweit ich weiß, sind drei ehemalige Mitglieder von Meanstreak mit Mitgliedern von Dream Theater verheiratet.) Können Frauen nicht Heavy Metal spielen oder wird es ihnen nicht erlaubt? Monika:
Der Hauptgrund für diese Situation ist nach meiner Meinung, daß
nur sehr wenig Frauen auf Metal stehen und daß man von ihnen nicht
erwartet oder "für möglich hält", sich aktiv
an der Metal-Szene zu beteiligen. Ich meine, wenn die Mädchen selbst
lernen zu spielen, können die männlichen Rocker die Mädchen
nicht mehr beeindrucken! Somit ist es vielleicht diese Angst, welche
das Vorurteil erzeugt, welches du häufig bei männlichen Rockern
antriffst: Wie oft habe ich nicht schon einen Jungen sagen gehört,
daß Mädchen, die Drums spielen, widerlich sind! Ich wollte
Gitarre spielen und ich habe einige Jahre klassische Gitarre gespielt.
Ich wollte auch elektrische Gitarre spielen, aber ich hatte nicht die
Selbstachtung, es zu versuchen, aus dem einfachen Grund, daß man
es von Mädchen nicht erwartet, daß sie Metal spielen oder
sogar mögen. Es scheint, daß viele der "Metal-Frauen"
mehr an Jungs mit langen Haaren interessiert sind als an der Musik,
die diese spielen, und daß sich wahrscheinlich die Metal Dudes
recht sicher fühlen; es ermöglicht ihnen, diese "Groupies"
ohne großen Aufwand zu bumsen. Burkhard: Bekommst du mehr Reaktionen von männlichen oder weiblichen Fans? Gibt es irgendwelche Unterschiede, wie sie auf deinen Gesang, deine Musik oder deine Texte reagieren? Monika: Hmmm, wir bekommen nicht viel Fanpost, aber mir ist aufgefallen, daß es recht viele Mädchen waren, die die Interviews gemacht haben. Ich weiß nicht, ob das bedeutet, daß es jetzt mehr Mädchen in der Metal-Szene gibt, oder ob wir besonders die wenigen Mädchen in der Szene ansprechen. Vielleicht beides. Ich schätze, es ist cool für andere Mädchen, eine Frau in einer Metalband zu sehen, die sehr aktiv ist und nicht nur eine Verzierung, um die Plattenverkäufe anzukurbeln. Nun, auch Jungen denken, daß dies ein positiver Aspekt ist...Und generell kann ich nicht sagen, daß ich einen Unterschied festgestellt habe, wie die Mädchen und die Jungen auf die Musik reagieren. Aber ich habe etwas Witziges festgestellt, wie das Publikum bei unserer Release-Party vor der Bühne verteilt war: All die Metal-Girls standen vor Rune, dem großen und dunklen Kerl, die Metal-Dudes und die Non-Metal-Girls standen vor mir, und die "Party-on-Dudes" (oder wie auch immer, hehehe) machten Headbanging vor den anderen Jungs, hehehe! Ich denke nicht, daß es rein zufällig war... Burkhard: In einigen deutschen Heavy Metal-Magazinen findet man eine Menge Interviews mit norwegischen Black Metal-Bands manchmal könnte man glatt den Eindruck bekommen, daß die Hälfte der norwegischen Bevölkerung aus Black Metal-Musikern besteht! und viele der Interviewten reden davon, wie sehr sie Christen/das Christentum (oder Religion im allgemeinen) hassen, und einige sprechen sogar von einem "Krieg gegen das Christentum". Hast du irgendeine Ahnung, wo dieser extreme Haß herkommen könnte? Spielt die christliche Religion in Norwegen eine so bedeutende Rolle, daß sie vielleicht ein leichtes Ziel für junge Leute ist, die das Bedürfnis haben, gegen ihre Eltern/die Gesellschaft zu rebellieren, oder die öffentliche Aufmerksamkeit erregen wollen? Was mich betrifft, so mag ich definitiv keinerlei Art von (religiösem) Fundamentalismus/Fanatismus, denn Fundamentalismus/Fanatismus zielt immer darauf, Barrieren zu errichten in dem Sinn: "Wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns." Es ist wie: "Wir haben Recht, du hast Unrecht. Wir sind die Erwählten, die im Besitz der endgültigen Wahrheit sind." Aber mein Eindruck ist, daß diejenigen Leute, die sagen, daß sie das Christentum oder Religion im allgemeinen hassen, nicht in der Lage sind, zu differenzieren zwischen Fundamentalismus/Fanatismus und Religion. Nach meiner Meinung ist Religion nicht von Natur aus fundamentalistisch, aber innerhalb fundamentalistischer Strömungen kann sie leicht als Mittel mißbraucht werden, um Menschen zu manipulieren. Nicht Religion ist das Problem, sondern diejenigen Leute, die sie mißbrauchen, um ihre eigenen Zwecke zu verfolgen. Diejenigen, die Haß gegen das Christentum/Religion im allgemeinen predigen, sind nicht besser als irgendwelche (anderen) religiösen oder politischen Fanatiker/Fundamentalisten. (Konstruktive) Kritik ist OK, aber einfach nur Haß und Intoleranz zu säen, macht jede Diskussion unmöglich und ist gewiß kein Zeichen geistiger Reife. Ich denke, (religiöse) Fundamentalisten/Fanatiker jeder Art sollten zusammen eingesperrt werden, so daß sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen können, wie es ihnen beliebt, während die anderen Menschen in Frieden leben können.
Burkhard: Und nun zu etwas völlig anderem und Oberflächlicherem: Was sind deine Hobbies? (Abgesehen vom Musikmachen und Malen?) Monika: Nun, es sind nur die anderen damit verbundenen Dinge, wie fotografiern und Cartoons zeichnen. Auch das mache ich nicht mehr oft. Ich schwimme gern; ich bin eine regelmäßige Schwimmerin, hehe! Und ich fahre gerne raus zum Sightseeing mit meinem Fahrrad. Manchmal nähe ich Kleider. Ich sammle nichts, außer daß ich oft Spielzeugtiere kaufe, und ich muß gestehen, daß ich damit auch spiele, hehehe! Burkhard: Welches sind deine Lieblingsplatten/-bands/-künstler? Monika: Ich habe hauptsächlich Lieblingssongs, nicht komplette Alben...Led Zeppelin: "Tea For One" ist DER Lieblingssong aller Zeiten! Auch "Achilles΄ Last Stand", "Dancing Days", "No Quarter" und viele andere Led Zeppelin-Stücke. Savage Roses selbstbetiteltes Album ist eine Lieblingsplatte. Fear Of God: "Within The Veil", Carcass: "Heartwork", My Dying Bride: "Turn Loose The Swans", Voivod: "Phobos", King Crimson: "In The Court Of The Crimson King". David Sylvain: "Gone To Earth". Und von Ethno-Musik: Natacha Atlas, Sussan Deihim, Sheila Chandra, Ensemble Sharakan (die Musik ist stellenweise so schön, daß ich es fast nicht ertrage, sie anzuhören!) und der einzige Song, den ich von Hamlet Gonashvili gehört habe. Auch liebe ich wirklich die Musik einiger zeitgenössischer Komponisten: Arvo Pärt, Henryck Gorecki und Gavin Bryars. Und Filmsoundtracks: Hellraiser, Exotica. Burkhard: Gibt es irgendwelche neuen vielversprechenden Künstler in Norwegen/Skandinavien oder sonstwo, die du gerne den Leuten empfehlen möchtest, die nach (neuen) interessanten Bands/Künstlern suchen? Monika:
Anja Garbarek: "Balloon Mood" fremdartige und coole elektronische
Musik Burkhard: Gibt es irgendwelche Pläne für eine Deutschland-Tour? Monika: Noch nicht, zur Zeit müssen wir uns auf die Promotion für "Contentum" konzentrieren und an dem neuen Material arbeiten, das wir im Januar aufnehmen werden; aber ich hoffe, wir können eine größere Band finden, für die wir danach als Support spielen können. Burkhard: Gibt es irgendeine Frage, die du immer schon beantworten wolltest, aber die dir nie gestellt worden ist? Monika:
Hmmm...nicht wirklich. Nun, es gibt Dinge, die ich die Leute gerne wissen
lassen möchte, aber ich weiß nicht, welches die Fragen wären...Das
Wichtigste daran, daß ich ein Teil dieser Band bin, ist für
mich, daß ich mich selbst ausdrücken kann, aber ich tue es
nicht allein aus egoistischen Gründen...Ich hoffe, daß die
Erschaffung und Darbietung so ehrlicher und emotionaler Musik eine Art
Trost und "Freund" für Menschen wie mich dort draußen
sein kann. Ich weiß jetzt, daß meine Texte rätselhafter
und schwieriger zu verstehen sind, als ich es zunächst dachte,
aber ich hoffe und denke, daß meine jetzige Art zu singen die
Leute zum Nachdenken bringen kann...Nun, das könnte jetzt bloßer
anmaßender Bullshit oder Mutter-Theresa-Träumerei von meiner
Seite aus sein, aber dennoch...Es ist mir wichtig. Ich habe selber diese
Erfahrungen mit Musik gemacht, also warum nicht? Burkhard: Gibt es irgendeine Frage, die du mir gerne stellen würdest? Monika: Nun, laß uns auf diese "Beauty & Beast"-Sache zurückkommen...Was hältst du vom Effekt der "Biester" in Kate Bushs "Waking The Witch"? Es ist natürlich kein Death Metal-Gesang, aber es hat eine gewisse Ähnlichkeit zu dem genannten Effekt, und es ist ein verdammt cooles Element in diesem Song! Burkhard: Da gebe ich dir Recht, aber wie du schon sagst, ist es kein Death Metal-Gesang, und es ist auch nur eine kurze Passage in einem Song. Würde dieser Gesang bei jedem Song auf "Hounds Of Love" auftauchen, würde ich ihn als äußerst störend empfinden und das Album insbesondere die experimentelle Seite "The Ninth Wave" würde sicher nicht zu meinen Lieblingsplatten gehören! Beate: Was bedeutet euer Bandname "Atrox"? Etwas wie grausam, oder Grausamkeit? Monika: Ja, das und mehr. Das englische Wort atrocious kommt vom lateinischen Wort atrox, und es bedeutet auch abscheulich, schrecklich, sowas in der Art. Ich schätze, der Name paßte besser zum alten Musikstil von Atrox als zum heutigen, aber das macht nichts! Beate: Es scheint zumindest noch zwei weitere Bands namens Atrox zu geben. Kennst du ihre Musik? Hat es bisher Verwechslungen gegeben, z.B. beim Buchen von Konzerten oder sowas in der Art? Monika: Nein. Aber eine Weile fragten uns Leute, ob wir auf einem Festival in Holland spielen würden, aber das waren Atrox aus Österreich. Ich denke, es handelt sich um ein Ambient/Industrial-Projekt. Dann gibt΄s da noch eine Hardcore-Band in den USA und auch eine Art 80΄s-Rock(?)-Band in Italien, die beide Atrox heißen. Ich habe bislang die Musik von keiner dieser Bands gehört; sie tauchen nur plötzlich im Internet auf, wenn ich nach Sachen über uns suche. Aber es hat nie irgendwelche Probleme oder gar Kontakte zwischen uns und irgendeiner der anderen Bands gegeben. Wir machen uns deswegen keine Sorgen. Beate: Ich habe in Eurer Biografie gelesen, daß die Band bereits 1988 (sie hieß damals Suffocation) gegründet wurde. Viele Mitglieder kamen und gingen in diesen 12 Jahren und vieles muß in der Geschichte der Band passiert sein. Wann bist du bei der Band eingestiegen? Monika: Ich habe die Jungs von Atrox erstmals Anfang ΄96 getroffen, und ich habe die Proben nur gelegentlich besucht bis zum Sommer, als wir anfingen, für die Studioaufnahmen zu üben. Danach wurde ich ein regelmäßiges Mitglied zumindest bei den Proben, aber der alte Sänger wollte mich nicht ein Mitglied werden lassen, bevor der Session-Keyboarder die Band verließ und ich versprach und bewies, daß ich auch Synthesizer spielen würde es waren einfach zuviele Bandmitglieder: 7! Lächerlich, oder? Somit wurde ich kein offizielles Bandmitglied vor Ende ΄96, beinahe ein Jahr nach meiner ersten Probe mit der Band. Beate: Darf ich fragen, wie alt du bist? Ich schätze 20-22??? Monika: Ich bin 25. Beate: Dies ist meine Standardfrage, der niemand entgeht: Liest du gerne, und welche Art von Büchern magst du? Irgendwelche Lieblingsautoren? Monika: Ich lese keine Romane mehr, denn wenn ich anfange zu lesen, kann ich das Buch nicht zur Seite legen, bevor ich es ausgelesen habe! Oder ich lese eine Seite und höre auf; es funktioniert einfach nicht! Aber ich lese gerne, und so lese ich stattdessen neben Schulbüchern Psychologiebücher, Gedichte und Kurzgeschichten. Ich mag Geistergeschichten (Lovecraft, Poe, Poppy Z Brite) und Kafkas Kurzgeschichten. Vor einem Jahr habe ich die Gedichte von Don Domanski entdeckt, und sie sind einfach brilliant; voll mit Tieren und seltsamen Kreaturen wie in meinen Texten! Ich liebe auch die wechselnden Stimmungen in diesen Gedichten, dies ist auch etwas, was ich gerne in meinen Texten und meiner Musik erzeuge. Beate: Hast du den Film "Das fünfte Element" gesehen? Da gibt es eine Figur names "The Diva", ein sehr seltsames blaues weibliches Wesen, welches äußerst schön singt. Dein Gesang erinnerte mich etwas an diese wundervolle (natürlich am Computer geschaffene) Diva. Hast du den Film gesehen, z.B. die Szene, wo sie in einem Theater auftritt, und mochtest du ihn? Monika: Ja, ich habe ihn gesehen und ich mochte ihn sehr! Es ist in der Tat ein spektakulärer Film inspirierend! Beim ersten Teil des Auftritts von The Diva handelt es sich um ein Stück aus Donizettis Oper "Lucia d΄Lammermoor" und ich habe es schon mit anderen großartigen Sängerinnen gehört, aber die Interpretation von The Diva ist einfach fantastisch; so gefühlvoll und so eine schöne Stimme! Burkhard: Irgendwelche berühmten letzten Worte an die Leser dieses Interviews? Monika: Oh, ähh...Ich habe alles gesagt, denke ich! Was soll ich sagen? Lest das Interview noch mal von Anfang an jetzt! Hehe, war nur Spaß! Besucht unsere Homepage und checkt meine Artikel, indem ihr mein Foto auf der Seite mit dem Line-up anklickt. Und schreibt mir, wenn ihr wollt! Grüße von ATROX... Burkhard: Danke dafür, daß du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Ich wünsche Dir viel Glück für Deine Zukunft! Beate: Dem schließe ich mich an! Alles Gute, Monika und vielen, vielen Dank, das war klasse. Interview:
- Burkhard & Beate - 10/00 |
Kommentar zum Interview
mit Monika Edvardsen?
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Zu
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