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Nach ihrer sehr
erfolgreichen Deutschlandtour im Januar kehrte Kari Bremnes Ende Juli
nach Deutschland für zwei Festivalauftritte zurück, von denen
der erste beim "Folk im Schloß"-Festival am 30. Juli
auf Schloß Friedrichstein in Bad Wildungen stattfand.
Unser Hotel war eher klein, aber recht komfortabel, und das Einzelzimmer kostete weniger als die Hälfte dessen, was wir in Oslo im letzten November gezahlt hatten. Es hieß "Hotel del Sol" - nun, die Sonne schien in der Tat, es war recht heiß (ca. 30° C), es gab daher keinen Grund, sich zu beschweren und eine Erstattung zu verlangen.
Das Hotel hatte einen schönen Garten, und im Garten gab es auch einen Swimming-Pool.
Nach dem Einchecken und einer kurzen Pause machten wir einen Spaziergang zu dem Ort, wo das Konzert stattfinden sollte. Bad Wildungen liegt in einer leicht...äh, bergigen Region und unser Hotel war hoch gelegen.. Schloß Friedrichstein liegt auch auf einer Anhöhe - unglücklicherweise einer anderen! Wir mußten also zunächst bergab und dann wieder bergauf gehen.
Was mir ein bißchen
auf die Nerven ging, war Dwarf Vaders ständiges Gejammer über
die Hitze: "Mann, es ist verdammt heiß! Ich schwitze wie
die Hölle! Ich glaube, mein Gehirn fängt an zu schmelzen!"
Ich meine, ich hatte ihm vorher gesagt, daß es kein weiser Entschluß
ist, eine schwarze Rüstung, ein schwarzes Cape und einen schwarzen
Helm zu tragen, wenn man mitten im Sommer nach draußen geht, während
die Sonne vom Himmel herabbrennt, aber er wollte nicht hören. Er
sagte etwas von einem Ruf, dem er gerecht werden müßte, und
niemand würde ihn mehr ernst nehmen, wenn man ihn nur mit einem
T-Shirt, Shorts und einem Paar Sandalen herumlaufen sehen würde.
Hah, es scheint mir, jemand verwechselt Ego und Ruf!
Da draußen helles Tageslicht war, war es überhaupt nicht unheimlich.
Nach dem Passieren des kleinen Tals waren es noch 600 Meter bergauf zum Schloß.
Nach Burkhards schwerem Atmen auf dem Weg nach oben zu urteilen, konnte man den Eindruck bekommen, daß dies sowas wie Alpe d´Huèz für Fußgänger war - haha! (Eine Anspielung für Leute, die ein bißchen über die Tour de France wissen.) Ich weiß, ich sollte solche Bemerkungen nicht machen. Schließlich hatte Burkhard Dwarf Vader und mich auf dem ganzen Weg in seinen Taschen getragen. Wenn wir die Strecke auf unseren eigenen Füßen hätten zurücklegen müssen, hätten wir dafür wahrscheinlich zwei Tage gebraucht! Burkhard bewältigte die Strecke vom Hotel zum Schloß in nur etwa 20 Minuten.
Als wir schließlich den Hof des Schlosses betraten (es waren noch etwa 4 Stunden bis zum Konzertbeginn), war die Bühne bereits aufgebaut. Wir gingen herum, Burkhard machte einige Fotos und dann gingen wir in die Stadt, denn Burkhard mußte etwas essen.
Während Wesen
wie ich und Dwarf Vader von nichts außer Vorstellungskraft leben,
tun dies Menschen nicht. Es war etwa halb 6, als wir schließlich
in ein Restaurant einkehrten. Trotz der Tatsache, daß dort keine
weiteren Gäste waren, dauerte es etwa 50 Minuten, bis das Essen
schließlich serviert wurde. Mir erschien es wie ein fehlgeschlagener
Versuch, ein neues Gastronomiekonzept einzuführen: Slow Food. Als
ob das noch nicht genug gewesen wäre, schien das Schnitzel, welches
Burkhard bestellt hatte, mehr Fett als Fleisch zu sein - bah! (Ich bin
zu höflich, um den Namen des Restaurants zu verraten.)
Beim Anblick von
Kari wurde Dwarf Vader ohnmächtig. Armer kleiner Kerl! Wahrscheinlich
verursachte eine plötzliche Schönheits-Überdosis einen
geistigen Kurzschluß - von dem er sich nicht erholte, bevor das
Konzert vorüber war. Es war offensichtlich einfach zuviel für
sein kleines Gehirn, oder den verbliebenen Teil davon, der nicht bereits
von der Sonne geschmolzen war!
Sie begann das
Konzert mit dem schönen "Birds" (von ihrem dritten Soloalbum
"Spor") - dem einzigen Song, der - ebenso wie der Refrain
von "Montreal" - nichts von seiner Authentizität verliert,
wenn er in Englisch gesungen wird, weil er ursprünglich in dieser
Sprache geschrieben wurde. Ich verstehe Karis Gründe, weshalb sie
die meisten ihrer Songs bei Konzerten im Ausland in Englisch singen
will, denn man verpaßt wirklich einen wichtigen Teil ihrer Songs,
wenn man die Texte nicht versteht (die in einem nordnorwegischen Dialekt
verfaßt sind), aber ich denke immer noch, es gäbe eine bessere
Lösung, als sie in Englisch zu singen, da Sprachen - wie genau
die Übersetzung auch sein mag - einen unterschiedlichen Klang haben
und die Sprache, in der man ein Lied singt, in der Tat auch den Charakter
des Liedes beeinflußt.
Ich erinnere mich nicht an die genaue Reihenfolge der Lieder, die folgten, aber im ersten Teil des Konzertes präsentierte Kari auch "Can It Really Be Years" (Originaltitel: "Et anna sted"), "A Fantastic Time Already" ("Fantastisk allerede"), "I See You" ("Lys anorakk") und - zu unserem Entzücken - die ursprüngliche norwegische Version "Du skulle vært her" (Englischer Titel: "You´d Have To Be Here") von ihrem aktuellen Album "You´d Have To Be Here" bzw. "11 ubesvarte anrop". Übrigens, sie hatte "I See You" in Englisch begonnen, aber wechselte im zweiten Teil des Songs zum urprünglichen norwegischen Text.
Ich weiß nicht, ob es unhöflich ist, dies zu erwähnen, aber es schien, daß Kari während der letzten Strophe von "A Fantastic Time Already" plötzlich ein bißchen "die Worte fehlten", aber ich muß sagen, daß sie das gut in den Griff bekommen hat, indem sie etwas improvisierte. Da Burkhard und ich immer ein bißchen Abwechslung schätzen, gefiel uns das! Abgesehen davon zeigt es, daß Kari auch nur ein Mensch ist wie du und ich!
Apropos "ein bißchen Abwechslung", es war interessant, die meisten der Songs in Versionen zu hören, die sich mehr oder weniger stark von denjenigen auf den ursprünglichen Studioalben unterschieden, was auf die Tatsache zurückzuführen war, daß es keine komplette Band gab (keine Gitarre und kein Baß), sondern nur einen Keyboarder und einen Schlagzeuger/Percussionisten. Beide waren wahrlich Meister an ihren Instrumenten. Das Faszinierendste auf der Bühne war wahrscheinlich das von Helge Andreas Norbakken selbst maßangefertigte Percussion- und Schlagzeug-Set, welches - unter anderem - aus zwei Autofelgen bestand. Daneben verwendet Helge nicht gewöhnliche Drumsticks, sondern spielt oft mit kleinen Besen oder benutzt einfach seine Finger.
Burkhard erzählte mir, daß Helge nach einem der Konzerte im Januar erwähnt hatte, daß er diese Besen irgendwo in Afrika (ich glaube, es war Senegal) kauft, wo sie normalerweise zum Fegen der Straße verwendet werden. Während der lebhafteren Songs (es gibt ein paar davon), werden diese Besen normalerweise etwas "dezimiert", sie halten nur für 7 oder 8 Konzerte lang. Nun zurück zum Konzert selbst: Andere Lieder, die während des ersten Teils dargeboten wurden, waren "A Lover In Berlin" ("En elsker i Berlin"), "Montreal" und "To Give You A Song" ("Sang til en mann"), welches laut Kari ihr einziges Liebeslied ist, das kein tragisches Ende hat. Der Text wurde offensichtlich mit einem zwinkernden Auge geschrieben und macht sich ein bißchen lustig über mehrere Klischees, in denen soviele vor Kari ertrunken sind.
Der erste Teil des Konzertes endete mit einem unserer Lieblings-Livesongs, dem fantastischen "Mit hjerte hamrer og hamrer" (dem ersten Lied auf Karis Solodebut "Mitt ville hjerte"), einem leidenschaftlichen Lied über Eifersucht, und ich denke, Kari gelingt es, dieses Gefühl sehr gut mit ihrer Stimme auszudrücken! Der Text dieses Liedes ist ein Gedicht, verfaßt von der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen, die kein glückliches Leben führte - Burkhard hat einmal eine kurze Biografie über sie in einem Literaturlexikon gelesen, und die klang recht traurig. Nach etwa einer Stunde gab es eine Pause von 20-25 Minuten. Ich nutzte also die Chance und schlich mich - während niemand schaute - auf die Bühne (hihi!), um einen Blick auf die Setlist zu werfen, die auf dem Boden lag. Ich stellte fest, daß die Reihenfolge der Lieder, die Kari bislang gesungen hatte, nicht exakt derjenigen auf der Liste entsprach, aber wen kümmert´s?
Als Kari und ihre
Begleitmusiker wieder auf die Bühne kamen, wurde es bereits langsam
dunkler. Eine recht "exotische" Erfahrung für sie während
dieser Jahreszeit, wie Kari hervorhob, da hoch oben auf den Lofoten,
wo sie herkommt, die Sonne im Sommer nicht untergeht.
Burkhard und mir gefiel es sehr, daß Kari, abgesehen von den zuvor genannten englischen Versionen, auch einige weitere Lieder in ihrer Muttersprache darbot: "Togsang", eines unserer Lieblingsstücke von ihrem Album "Gåte ved gåte" (Als sie dieses Lied auf ihrer Tour im Januar vorstellte, sagte Kari, daß sie in Norwegen in der Schule gelernt hätten, daß in Deutschland die Züge ankommen und abfahren, wann dies vorgesehen ist - es muß entweder eine Unterrichtsstunde über berühmte deutsche Märchen gewesen sein oder es war der 1. April, hahaha!), ein weiteres schönes Lied von ihrem Solodebut (der Text wiederum von Tove Ditlevsen), nämlich "Det sandeste" und - ein absolutes Muß bei jedem ihrer Konzerte, ich glaube, sie hat einmal erwähnt, daß dies ihr Lieblingslied ist - das fantastische "Skrik"!
Es stammt von ihrem Album "Løsrivelse", welches Vertonungen von Prosagedichten des berühmten norwegischen Malers Edvard Munch enthält, der - lange Zeit unbekannt - Prosagedichte zu recht vielen seiner bekanntesten Gemälde geschrieben hatte, bevor er diese tatsächlich malte. "Skrik" ist definitiv Munchs bekanntestes Gemälde.
Im Jahr 1993 schrieb der norwegische Komponist/Musiker Ketil Bjørnstad Musik zu 15 von Munchs Gedichten, und "Skrik" ist definitiv der herausragendste Song, auch oder insbesondere wegen Karis beeindruckendem Gesang! Es ist - ohne den geringsten Funken eines Zweifels - Burkhards und mein Lieblings- und Karis lebhaftester Livesong. Ich denke, wir hätten diesen Song immer und immer wieder hören können. (Seufz!) Leider mußte auch dieses wunderbare Konzert - wie jedes andere auch - schließlich zu einem Ende kommen. Es gab nur eine Zugabe, aber wenigstens wurde sie in Norwegisch gesungen: "Berg og båre" ("Wave On Rock") von Karis drittem Soloalbum "Spor".
Nun, es war nicht
so, daß das Publikum nicht laut und lange genug applaudiert hätte,
aber dies blieb das letzte Lied des Konzertes. Wenn ihr mich fragt,
denke ich, daß "Byssan lull" - ein traditionelles Schlaflied
und eines von Karis schönsten Liedern (es befindet sich auf "Svarta
Bjørn" und sie hat es beim "Voggesanger
fra ondskapens akse"-Konzert in Oslo gesungen) - ein perfekter
Abschluß gewesen wäre (um dem Publikum zu sagen "Nun
ist es wirklich Zeit, ins Bett zu gehen."), aber man kann nicht
alles haben, oder? Vielleicht besteht etwas Hoffnung, daß sie
es auf ihrer Deutschlandtour im April 2005 singen wird?
Um es zusammenzufassen:
Es war ein schönes Konzert an einem schönen Ort, und das Wetter
hätte nicht besser sein können! Es war perfekt - ebenso wie
der Sound, für den der Soundtechniker Asle Karstad (möglicherweise
einer der besten, die man bekommen kann) gesorgt hatte. Text: Miss Loona |
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