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Bereits während ihrer Deutschlandtour im April ca. 2 Monate zuvor hatte Burkhard gelesen, daß unsere Lieblingssängerin Kari Bremnes Anfang Juni erneut nach Deutschland kommen würde, um drei weitere Konzerte zu geben. Da alle Veranstaltungsorte einige hundert Kilometer von hier entfernt waren, schien die Fahrt zum Konzert in Küsten die beste Option zu sein, da es an einem Samstag stattfand, so daß wir dort übernachten und am Sonntag zurückfahren konnten.
Es war eine schnelle Entscheidung und Burkhard bestellte die Eintrittskarte direkt bei demjenigen, der dieses Konzert organisiert hatte. Die Karte selbst war eine ganz besondere, denn im Gegensatz zu all den langweiligen gesichtslosen und vom Computer ausgedruckten Karten, die man normalerweise heute bekommt, war diese ein handgemachtes und fotokopiertes Stück, welches zwei kleine Bilder von Kari auf der Vorder- und der Rückseite zeigte und per Hand numeriert war.
Dwarf Vader mal wieder... ...umgehauen von Karis Schönheit. Da
es immer ein bißchen langweilig ist, alleine zu reisen, fragte
Burkhard mich, ob ich mitkommen wollte. Da ich mich an den Spaß
erinnerte, den ich bei unserer Reise nach Bad Wildungen vor ca. einem
Jahr hatte, war meine Antwort ein lautes "Ja, natürlich!"
Und direkt hinter mir rief eine Stimme: "Ich auch! Ich auch!"
Es war Dwarf Vader, manchmal scheint er mir wie ein Schatten zu folgen.
Da
wir etwas in Eile waren, hat Burkhard auf der Briefmarkenmesse selbst
keine Fotos gemacht.
Dwarf
Vader war etwas enttäuscht, als er feststellte, daß dieses
Hotel – anders als sein Name vermuten lassen mag – nicht aus Kartoffeln
bestand. Er hatte offensichtlich eine Art Pendant zum Pfefferkuchenhaus
erwartet. – Hat wahrscheinlich in letzter Zeit zuviel "Hänsel
und Gretel" gelesen, haha!
Entsprechend dem berühmten Motto "Der frühe Zuschauer erwischt den Platz in der ersten Reihe" hatte Burkhard beschlossen, daß es an der Zeit sei, zum Veranstaltungsort des Konzertes zu fahren. Es waren ca. 2-3 Kilometer von unserem Hotel und da schon wieder dunkle Wolken vorübergezogen waren, nahmen wir das Auto. Gerade als wir angekommen waren, kam ein wirklich heftiger Schauer runter und Dwarf Vader sagte: "Wir können das Auto nicht verlassen. Mein Helm könnte naß werden und anfangen zu rosten!"
Da weder Burkhard noch ich scharf darauf waren, durchnäßt zu werden, kamen wir zu dem Entschluß, daß es besser wäre, im Auto zu bleiben und zu warten, bis der Schauer vorbei war. Als es Dwarf Vader etwas langweilig wurde, erfand er eine neue Art von Funsport: Indoor Auto-Klettern.
Nun,
ich schätze mal, es bedeutet nur Spaß für Leute seiner
Größe. Menschen werden nicht viel davon haben. (Sofern sie
nicht nur einige Zentimeter groß sind oder ein Riesenauto haben.)
Eine
Bühne, wunderschön dekoriert mit einigen Vasen mit Blumen,
war in der Nähe des "Sees" aufgebaut worden und darüber
war eine Art Zelt gespannt, aber da es nach allen Seiten offen war,
glaube ich nicht, daß es viel Schutz vor wirklich heftigen Regenfällen
geboten hätte. Vor der Bühne waren viele Reihen mit Holzstühlen
für das Publikum. Hinter diesen Reihen, direkt neben dem "See",
befand sich das Mischpult vom Tontechniker Asle Karstad, auch durch
ein Zelt geschützt. Obwohl bei unserer Ankunft bereits recht viele
Leute auf den Einlaß warteten – insgesamt waren ungefähr
270 Leute gekommen (vielleicht wären ohne die Schauer zuvor alle
325 Karten verkauft worden) -, gelang es Burkhard – mal wieder – einen
Platz in der ersten Reihe zu erwischen. Trotz der Tatsache, daß
die Sonne von Westen schien (von der Bühne blickte man Richtung
Süden), war die Luft recht frisch und kühl und es war auch
etwas windig, so daß Dwarf Vader und ich beschlossen, in der Tasche
von Burkhards Jacke zu bleiben, wo es gemütlich warm war. Insbesondere
für Dwarf Vader war es ein weiser Entschluß, denn andernfalls
wäre er bei Karis Anblick wieder ohnmächtig geworden (genau
wie im letzten Jahr in Bad Wildungen) und hätte das ganze Konzert
verpaßt!
Von diesem Song ging Kari direkt über in das wunderschöne
"Birds", mit dem sie ihre Konzerte in Deutschland im letzten
Jahr eröffnet hatte und welches das einzige Stück auf Karis
Soloalben ist, das ausschließlich in Englisch verfaßt wurde
(von ihrem Bruder Ola).
An diesem Abend brachte Kari wie auch bei ihren Konzerten im April drei
Lieder von unserem Lieblingsalbum "Løsrivelse", bei
dessen Texten es sich um Prosagedichte von Edvard Munch handelt. Da
gab es, natürlich, unser absolutes Lieblingsstück "Skrik"
("Der Schrei"), ein unbedingtes Muß bei jedem von Karis
Konzerten – ich bin versucht zu sagen, daß schon allein das Hören
dieses Liedes die Reise nach Küsten wert war! Wie auch immer, das
erste Lied von "Løsrivelse", das Kari an diesem Abend
sang, war "Søvngjengersken" ("Die Schlafwandlerin",
wie Kari perfekt übersetzte). Kari erzählte uns, daß
Munch, als er noch recht jung war, eine Beziehung mit einer älteren
Frau gehabt habe, von der dieses Stück handele. Im Hinblick auf
die Gemälde, zu denen Munch durch diese Frau inspiriert worden
ist, fügte sie hinzu, daß diese Beziehung von der norwegischen
Regierung hätte gefördert werden sollen.
Obwohl die Anzahl der Songs, die Kari in ihrer Muttersprache sang, zugenommen
hatte (verglichen mit ihren Konzerten in Deutschland im letzten Jahr),
sang sie immer noch die Mehrzahl von ihnen auf Englisch. (Das Verhältnis
von Norwegisch zu Englisch war 6 zu 9.) Fünf davon, "Can It
Really Be Years", "I See You", "You´d Have To Be
Here", "Zarepta" und "A Fantastic Time Already",
stammten von ihrem aktuellen Album "You´d Have To Be Here"
(der englischen Version von "11 ubesvarte anrop"), während
die anderen auf "Norwegian Mood" zu finden sind (beides die
Alben, die Burkhard und ich am wenigsten mögen, weil die norwegischen
Originalversionen einfach viel authentischer klingen). Gewiß,
man muß hinzufügen, daß Kari dann, wenn sie z.B. "A
Fantastic Time Already" auf Norwegisch gesungen hätte, wahrscheinlich
nicht soviele Lacher im deutschen Publikum geerntet hätte, wie
es tatsächlich der Fall war, weil die meisten den Text (bzw. den
darin enthaltenen Humor) nicht verstanden hätten. Übrigens:
Es scheint, daß auch ein paar Fans aus Norwegen und/oder Dänemark
dort waren – jemand in der ersten Reihe winkte gelegentlich mit einer
kleinen norwegischen Fahne.
Zusammen mit den drei Songs von "Løsrivelse" war das beste Stück, welches Kari an diesem Abend sang, definitiv das erste Lied, welches Burkhard jemals von Kari Bremnes gehört hat, damals im Frühjahr 1999, nämlich das Eröffnungsstück ihres Konzeptalbums "Svarta Bjørn" ("Schwarzer Bär") mit dem Titel "Sangen om fyret ved Tornehamn" ("Das Lied über den Leuchtturm bei Tornehamn"). Die Texte dieses Albums erzählen die Geschichte einer jungen Frau aus Norwegen, die zu einer Art legendären Figur wurde. Vor etwas mehr als 100 Jahren hatte sie als Köchin in einem Barrackenlager in der Nähe von Tornehamn (einem Ort am Torneträsk, einem sehr großen See hoch oben im Norden von Schweden) gearbeitet, wo Arbeiter untergebracht waren, welche die Eisenbahnstrecke von Kiruna in Schweden nach Narvik in Norwegen bauten. Von Narvik wurde das "Eisenerz" (ein weiteres deutsches Wort, welches Kari inzwischene gelernt hat) aus Kiruna dann per Schiff zu verschiedenen Orten in Europa transportiert. Man kann sich vorstellen, daß die Lebensbedingungen in Nordschweden sehr hart waren, umso mehr vor über 100 Jahren. "Sangen om fyret ved Tornehamn" handelt von der Überraschung dieser jungen Frau, als sie einen Leuchtturm in den Bergen weit vom Meer entfernt sieht – Kari betonte, daß in Norwegen Leuchttürme normalerweise an der Küste zu finden seien -, und er handelt auch von ihrem Traum, daß sie eines Tages weiter als das Erz reisen werde. Aber dazu kam sie nicht, denn sie wurde, wie uns Kari erzählte, Anfang 20 in einem Kampf mit einer anderen Frau getötet, wahrscheinlich ein Kampf um einen Mann. "Not about cooking!", fügte Kari hinzu, "And not potatoes."
Interessanterweise
gibt es so, wie Kari die Geschichte auf ihrem Album "Svarta Bjørn"
erzählt, ein anderes Ende: diese Frau stirbt an einer Lungenentzündung!
Nun, welches Ende man auch wählt, es ist ein tragisches.
Anders
als bei ihren Konzerten im April sang Kari auch "A Lover in Berlin",
aber dafür nicht "Det sandeste", "Togsang"
und "Coastal Ship".
Nach
der Zugabe gab es nochmals Standing Ovations, aber – leider – war das
Konzert nun definitiv aus. Nun, man muß berücksichtigen,
daß die Musiker noch in derselben Nacht nach Wolfsburg weiterfahren
mußten, wo am nächsten Morgen bereits um 11 Uhr ein weiteres
Konzert auf dem Programm stand.
Gerade
als wir gegen 22 Uhr wieder in unserem Hotel angekommen waren, fing
es wieder zu regnen an.
Kate
Bush sang einmal von "The Man With The Child In His Eyes"
– ich habe jetzt zwar keine Ahnung, was Dwarf Vaders Augen angeht (sie
sind unter dem schwarzen Helm, den er immer trägt, schwer auszumachen),
aber nach seinem Verhalten zu urteilen ist er eher "The Man With
The Child In His Head", haha!
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