| Joolz Denby - Stone
Baby (’98); dt.: Im Herzen die Dunkelheit
„Stone Baby“ ist ihr erster Roman.
Das alles hört sich vielleicht schlimmer oder langweiliger an, als es tatsächlich ist: der Roman ist - obwohl man bereits am Anfang mitten in die Jetzt-Zeit hineingeworfen wird und von Erzählerin Lily auch in den Rückblicken immer wieder Hinweise auf das Jetzt erhält - spannend zu lesen, er ist witzig, ironisch, voll von Schimpfwörtern,die ich zuvor noch nie auf englisch zu lesen bekommen habe. Nicht umsonst ist Joolz auf einer Lesung, bei der ihre Eltern zugegen waren, rot geworden ;-) Die Stimmung, die Joolz durch die Erzählerin Lily erzeugt, ist unheimlich dicht, so daß man am Ende, obwohl man doch weiß, worauf alles hinausläuft, dennoch vor Entsetzen den Atem anhält. Im folgenden der Versuch einer Inhaltsangabe: Erzählt wird die Geschichte von Lily, die - ein Genie was Zahlen und Buchhaltung angeht und ein Organisationstalent - auf einer von ihr (mit-)organisierten Veranstaltung die Komikerin Jamie Gee kennenlernt. Sie findet in ihr eine verwandte Seele (sie selbst wurde als Kind adoptiert und fühlt sich, obwohl sie ihre Eltern heiß und innig liebt, doch ab und an sehr allein). Sie hat das dringende Gefühl, Jamie, die sie um mindestens einen halben Meter überragt, irgendwie beschützen zu müssen. Sie zieht nach nur kurzer Zeit in das gemeinsame Haus ein, das Jamie bis dahin mit Mojo, einem 'exotisch aussehenden', sehr schönen Transvestiten und diversen anderen wechselnden Bewohnern teilt (ihren 'Fehlern', wie Jamies Freunde diese wechselnden Bewohner bezeichnen). Lily wird Teil der kleinen Familie, Jamies Managerin - und beste Freundin. Jamie's Fans lieben sie und halten sie für eine starke, selbstbewußte Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Lily merkt jedoch schnell, daß dies nicht so ist, daß Jamie sehr verletzlich ist, eine Dunkelheit in sich trägt, die sie sich nicht erklären kann. Den Grund erfährt sie erst später durch Jamies Freunde George und Mojo, als Jamie mal wieder dabei ist, an einen dieser Fehler, an einen Bastard von Mann, zu geraten und ihre Freunde daneben stehen und sie nicht aufhalten, was Lily nicht verstehen kann. Nachdem Lily Jamies Geschichte gehört hat, kann sie, wie die anderen auch, nur danebenstehen, Schadensbegrenzung betreiben und sie auffangen wenn sie fällt. Mit der geringen Hoffnung, daß Jamies Abhängigkeit von diesen 'Fehlern' vielleicht nachlassen wird, wenn sie weiter Erfolg als comedian hat - wonach alles aussieht. Jamie's letzter Fehler ist Sean Powers, ein Bild von einem Mann - äußerlich. Lily und Mojo ist er von vornherein unsympathisch und es ist nicht nachvollziehbar, was er von Jamie will. Sie ahnen Schreckliches, aber auf die Wahrheit kommen sie nicht... Das Buch handelt von Mord, von Demütigung und der darauffolgenden Reaktion, von Medienwahn, von Kindesmißbrauch, von fatalen Folgen, von vielen verschiedenen Arten von Liebe, die sich zwischen den Hauptpersonen entwickelt, freundschaftliche Liebe, aber auch vollkommen fatale Liebe, die zerstört. Wer Joolz' Kurzgeschichten kennt und vielleicht einen kleinen Einblick in ihr Leben gewonnen hat durch diverse Gigs und Lesungen, die sie hier in Deutschland schon veranstaltet hat (solo oder mit RED SKY COVEN), der wird viel von ihren Werken und Erlebnissen in diesem Buch wiederfinden. Auch von ihr selbst ist sehr viel in dieses Buch eingeflossen (wie sie letztlich erst selbst erzählte). Es ist, wie ihre Kurzgeschichten auch, absolut empfehlenswert. Im nächsten Jahr (2001) erscheint ein weiterer Roman von ihr, „Corazon“, der aber erst in 2002 auf deutsch erscheinen wird. „Stone Baby“ ist im Gegensatz dazu bereits im März 2001 bei rowohlt unter dem Titel „Dunkelheit im Herzen“ (o.ä.). erschienen. Joolz Denby: „Stone Baby“
Joolz Denby: Im Herzen
die Dunkelheit PS: Auch auf Deutsch ist der Roman durchaus lesenswert, die Übersetzung finde ich gar nicht übel, allerdings ist es merkwürdig, Joolz, die ich bislang nur englisch gehört und gelesen habe, plötzlich auf deutsch zu lesen. Wer kann, sollte das englische Original vorziehen - gerade das Gefluche ist auf deutsch äußerst seltsam ;-) - Anja - 08/00 + 05/01
Mittlerweile, angeregt
durch Anjas Besprechung, habe ich „Im Herzen die Dunkelheit“ ebenfalls
gelesen. - Martin - 08/01
... und zweieinhalb Jahre später entdeckte auch Heiko das Buch; völlig unbelastet von dem, was in dem Fanzine, an dem er keinen geringen Anteil hat, bisher zu lesen war ... Tatsächlich,
bei Joolz Denby handelt es sich, wie die Angaben zur Autorin in Innern
rasch offenbarten, um eben jene Joolz, die zum New Model Army-Umfeld gehört,
die alle Coverbilder der englischen Rockband malt und - soweit mir bekannt
ist - die Lebensgefährtin von Justin Sullivan ist. Vor dem Nürnberger
Hirsch trafen Martin und ich sie 1996 sogar mal kurz, als wir das Interview
mit Justin bestätigen wollten und Joolz zusammen mit dem Tour-Manager
im lockeren Plausch in der Nachmittagssonne sitzend vorfanden. Wir wechselten
ein paar Worte, wobei sie einen offenen, sympathischen Eindruck hinterließ,
drückten ihr unser Heft in die Hand und verabschiedeten uns dann
relativ zügig, um nicht über Gebühr zu stören (und
noch einige Fragen vorzubereiten, denn wir waren - muß es noch gesondert
erwähnt werden? - natürlich denkbar unzureichend vorbereitet...). - Heiko - 03/04 |
Mehr zu Joolz findet ihr auf ihrer eigenen Homepage, oder auch auf der Seite von Anja Tewes, auf der die gleiche Besprechung noch einmal zu lesen ist.
Zurück
zu LESEN
Zurück
zum INHALTSVERZEICHNIS